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Pulkau: Stadtbild in Gefahr

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Pulkau im nördlichen Weinviertel ist eine versteckte Perle – davon konnten sich einige Mitglieder unseres Vereins im Rahmen einer Exkursion ins nördliche Weinviertel überzeugen. Die Kleinstadt verfügt über ein historisches Stadtbild, das bis in die jüngste Zeit kaum störende Veränderungen erfahren hat, und der Reichtum an historischer Bausubstanz würde einen flächendeckenden Ensembleschutz rechtfertigen.

Pulkau hat aber auch die typischen Probleme einer strukturschwachen Region. Der Infrastrukturabbau im Zuge von Abwanderung und Überalterung macht fast allen Gemeinden im nördlichen Weinviertel zu schaffen und führt zu verödenden Dörfern, in denen immer mehr alte Häuser leerstehen und verfallen. Wesentlich für ein Aufhalten dieses Prozesses ist der Erhalt einer örtlichen Nahversorgung, und genau hier spitzt es sich in Pulkau derzeit zu. Die derzeitige Gemeinderegierung unter Bürgermeister Marihart begeht jedoch einen kardinalen Denkfehler wenn sie die notwendige Ansiedlung eines Nahversorgers gegen den ebenso notwendigen Erhalt des Ortsbildes gegeneinander ausspielt.

Konkret geht es um zwei historische Gebäude am Pulkauer Brückenplatz – einen jahrhundertealten, weitgehend original erhaltenen Bauernhof und ein frühhistoristisches Wohnhaus aus dem 19. Jahrhundert – die abgerissen werden sollen, um einem Supermarkt Platz zu machen. Die beiden derzeit betriebenen Lebensmittelgeschäfte am Pulkauer Hauptplatz sollen schließen bzw. sind zu klein.

Zu fordern ist hier die Suche nach alternativen Standorten, zumal Pulkau über weitere "Problemhäuser" verfügt, die bei behutsamer Adaptierung einen Supermarkt beherbergen könnten. Entlang der Hauptstraße etwa stehen einige Gebäude, die diesen Zweck grundsätzlich weit besser erfüllen könnten als die Häuser am Brückenplatz. Zu fragen wäre auch, ob nicht ein Um- bzw. Ausbau eines der bestehenden Geschäfte am Hauptplatz möglich und ausreichend wäre – auch um dem Hauptplatz vor einer im Falle der Schließung der Geschäfte drohenden Verödung zu bewahren.

Mit der nötigen Sensibilität und einem entsprechenden politischen Willen könnte das historische Bauensemble am Brückenplatz bewahrt werden. Leider lässt die bisher an den Tag gelegte Denkungsart wenig Bewusstsein für die Bedeutung des Ortsbild erkennen. Die Schönheit Pulkaus scheinen bislang eher Zugezogene und Künstler für sich entdeckt zu haben – wie etwa der Kunsthistoriker Christian Nebehay, der hier ansässig war und dessen ehem. Landsitz gerade frisch saniert wurde. Auf eine Sanierung wartet hingegen noch der sog. "Pulkautaler Hof" am Rathausplatz, ein mächtiger, den Platz dominierender ehem. Gasthof, für den es allerdings bereits weitreichende Pläne zur Etablierung eines Museums gibt. Initiativen dieser Art wären zu verfolgen in dem Wissen, dass der Denkmalreichtum Pulkaus nicht Hindernis, sondern ein Kapital darstellt – für einen sanften, mit der Größe des Ortes verträglichen Tourismus, der das Potential bergen könnte, Pulkau neu zu beleben.

Link: ÖVP Pulkau aktuell 2010: siehe Seite 5, Projekt „Brückenplatz“; siehe auch Seite 3, Foto Mitte: im Hintergrund die Gebäude, die abgerissen werden sollen, im Vordergrund vermutlich die dafür Verantwortlichen.

Rückfragehinweis:

Wolfgang Burghart
Mobil-Tel.: 0699 / 1007 7220
Verein 'Initiative Denkmalschutz'
Streichergasse 5/12
1030 Wien
ZVR-Nr.: 04983211


Fotos auf dieser Seite:

Brückenplatz, Pulkau: http://idms.at/images/IDMS/noe/Pulkau/pulkau1-300.jpg

 

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